Die Spannung ist spürbar. Hochkonzentriert fokussieren die in der Startposition harrenden Sprintathleten das Ziel. Jeder Läufer will sich für das große Abschlussrennen qualifizieren. Anspannung, letztes Durchatmen, der Startschuss fällt. Wenige Sekunden später passiert der selbstbewusste Sieger die Ziellinie, reißt die Arme jubelnd in die Höhe und läuft noch einige Meter aus. Er hat sich als einziger qualifiziert.

Zu diesem Zeitpunkt haben die anderen Läufer noch nicht einmal die Hälfte der Strecke absolviert. Wie das? Anstatt wie der spätere Gewinner beim Startschuss explosiv loszusprechen und die während hunderter intensiver Trainingseinheiten einstudierte Schrittfolge unter höchstem körperlichen Einsatz selbstvergessen bis ins Ziel runterzuspülen, legen diese ein sonderbares Verhalten an den Tag: Etliche sind nur locker losgejoggt, manche walken sogar nur und einige wenige bewegen sich ausschließlich im Schritttempo vorwärts, penibel einen Fuß vor den anderen setzend. Als wäre dies alles ohnehin nicht schon abstrus genug, bleibt jeder der Läufer nach wenigen Schritten wiederholt stehen, um das Rennen erst nach einem mehr oder minder lang dauernden Zwischenstopp wieder fortzusetzen.

Die Zuschauer gellen erbost, die Kommentatoren sind entsetzt. Aber es kommt noch dicker: Die Sportler springen hin und wieder ein paar Schritte der bereits gelaufenen Strecke zurück. Hierbei kommt es sogar vor, dass mancher Athlet dort noch ein wenig länger verweilt, da er sich erst vergewissern will, den bereits absolvierten Weg tatsächlich schon hinter sich gebracht zu haben. Einem der Läufer steht die Pein augenscheinlich ins Gesicht geschrieben. Er gibt alles, kommt jedoch nicht schneller voran, da er jeden seiner Schritte zeitgleich kommentiert. Die Massen wandern enttäuscht ab, schließlich quert auch der letzte Athlet erschöpft die Ziellinie. – Und dabei hat jeder von ihnen in ehrlicher Weise sein Bestes gegeben!

Natürlich würde ein Rennen so niemals ablaufen. Als Sinnbild hingegen veranschaulicht es in Analogie unser angelerntes Leseverhalten – und das quer durch alle Gesellschaftsschichten Österreichs, ohne Ausnahme.

Charakterisierung der Lesetypen

Lesetypen lassen sich qualitativ in die Kategorien inkompetent/schwach, mäßig/gut und hervorragend einteilen. Der inkompetente Leser hat das Niveau der Volksschule nie überschritten. Jeder Buchstabe wird bewusst anvisiert und wahrgenommen. Diese rudimentäre Art des Lesens lässt nur eine Geschwindigkeit von bestenfalls 30 Wörtern pro Minute (WpM) zu. Zudem ist es bis zu fünfmal langsamer als flüssiges Vorlesen. Der schwache Leser nimmt einzelne Wörter als Ganzes wahr und erreicht so eine Lesegeschwindigkeit von immerhin 120 bis 150 WpM. Ein besseres Textverständnis ergibt sich daraus aber noch nicht. Etwa 25% der Österreicher müssen sich der untersten Lesetypkategorie zuordnen lassen.

Mäßige bis gute Leser vermögen den Sinn auf Satzebene zu erfassen. Hierfür muss der zu lesende Satz aber innerhalb der Speicherzeit des Kurzzeitgedächtnisses – diese beträgt gerademal zwei Sekunden – geladen werden, um auf einem Schlag verstanden zu werden. Zu bewältigen ist diese Herausforderung erst ab einer durchschnittlichen Lesegeschwindigkeit von 240 WpM. Es zeigt sich, dass das schnelle Sinnerfassen ohne Informationsverlust unmittelbar von der Lesegeschwindigkeit sowie der Satzlänge abhängt und setzt das Vorhandensein eines umfangreichen Wortschatzes – also entsprechende Bildung – voraus. Zu den mäßigen bis guten Lesern des Landes zählen 70% unserer Landsleute.

Nur 5% der Österreicher schließlich können für sich reklamieren zu den hervorragenden Lesern zu gehören und 400 und mehr Wörter pro Minute zu lesen – die ideale Lesegeschwindigkeit für die Weiterverarbeitung der aufgenommenen Information durch unser Gehirn.

Wissenschaftlich ist nämlich längst schon bewiesen, dass langsames Lesen dem Textverständnis entgegensteht. Wieso? Funktional betrachtet sind unsere Augen das Eingabegerät, welches die Textinformationen zur Verarbeitung an unser Gehirn weiterreicht. Dieses wiederum verarbeitet die aufgenommenen Daten mit einer ungleich höheren Geschwindigkeit als wir es uns zunächst vorstellen würden. Um das Gehirn beim Lesen optimal zu versorgen, gilt es also, die Lese- und Aufnahmegeschwindigkeit des Textes an die Verarbeitungsgeschwindigkeit des Gehirns anzupassen. Die nachteiligen Folgen schlechten Lesens lassen sich natürlich auch in Zahlen kleiden. Beispielsweise hat die unmethodisch lesende Person einen bis zu sechseinhalb Stunden höheren Zeitaufwand, um einen 300 Seiten starken Roman fertigzulesen, ohne aus dieser übermäßigen Zusatzdauer irgendeinen fassbaren Nutzen –ein besseres Textverständnis etwa – zu ziehen.

Entgegen der früher auch von vielen Pädagogen vertretenen Ansicht kann jede hierfür gesunde und motivierte Person ihre Lesefähigkeit beinahe exponentiell steigern, unabhängig davon wie ungeübt sie zu Trainingsbeginn auch lesen mag.

Die Merkmale guter Leser

Seit Jahren schon pfeifen es die Spatzen von den Dächern der internationalen Bildungsinstitute: Die skandinavischen Kinder gehören zu den besten Lesern weltweit. Im Hohen Norden erklärt man sich dieses durch viele PISA-Studien belegte Phänomen damit, dass das Fernsehen im nördlichsten Europa mit Untertiteln versehen konsumiert wird. Diese steigern die Lesekompetenz merkbar, da das Gelesene in Sinngruppen aufgenommen wird, was bei höheren Lesegeschwindigkeiten zu einem verbesserten Textverständnis führt. Die durch das Fernsehen erworbenen Fähigkeiten ermöglichen es den Skandinaviern im Jahresdurchschnitt bei weitem mehr Bücher und Zeitungen pro Kopf zu lesen, als es auf dem restlichen Kontinent der Fall ist.

Schließlich gibt es gute Leser aber nicht nur in Schweden, Norwegen oder Finnland. Was zeichnet einen guten Leser ganz allgemein aus? Zuallererst vermeiden gute Leser das innerliche Mitsprechen (die Subvokalisation) des Gelesenen. Mitgesprochen werden allerhöchstens wichtige Schlüsselworte, um die aufgenommenen Inhalte zu priorisieren und selektiv für die spätere Erinnerung zu bewahren. Es ist eine alte Bildungsmär und ein Unding, zu glauben, jede Seite, jeder Satz sei gleich wichtig und müsse daher unbedingt gemerkt werden.

Zusammenfassend setzt der gute Leser den auditiven Kanal reflektierter ein, wobei das visuelle Lesen diesem gegenüber eindeutig dominiert. Neben dem stillen Mitsprechen gibt es natürlich noch eine Vielzahl anderer übler Gewohnheiten, die uns daran hindern, gehirnkonform zu lesen.

Das Gros der schlechten Lesegewohnheiten

Die Subvokalisation wurde als schlechte(ste) Lesegewohnheit bereits angesprochen. Wenn wir subvokalisieren, sprechen wir beim Lesen – und wahrscheinlich auch beim Schreiben – geistig mit. Das geht ganz unwillkürlich vor sich, dem visuellen Reiz folgt unmittelbar ein auditiver. Allerdings hat die Subvokalisation vor allem im Bildungswesen sehr wohl eine Berechtigung. Nur durch das laute Mitsprechen der Kinder beim Lesen kann das Lehrpersonal sofort überprüfen, ob ein Text korrekt gelesen wird. Allerdings müsste die Subvokalisation nach erfolgreich absolviertem Lese-Lernprozess konsequenterweise wieder abgebaut werden, was in unserem Schulsystem jedoch nicht vorgesehen ist.

So wird verhindert, dass wir im Rahmen unserer Erstausbildung nach dem richtigen auch das schnelle und effiziente Lesen lernen – eine vergebene Chance. Die Konsequenzen liegen offen auf der Hand: Langsam lesende Kinder wachsen zu langsam lesenden Erwachsenen heran, die im Arbeitsprozess oftmals gehörig ins Schwitzen kommen, sollen umfangreiche Inhalte in kurzer Zeit aufgenommen und aus ihnen für wichtige Entscheidungen im Unternehmen folgerichtig geschlossen werden. Für die Verbesserung der Lesegewohnheiten wird man sich mit der Subvokalisation aber in einem ersten Schritt zunächst einmal abfinden müssen, da sie eine jahrzehntelang eingeübte Gewohnheit ist. Auf dem Weg zu einer Verbesserung der Lesefähigkeiten dauert ihr Abbau am längsten. Des Weiteren kann auch eine zu geringe Kurzspeicherkapazität dem schnellen Lesen hinderlich sein, wie auch ein lückenhafter Wortschatz und zu guter Letzt das Wort-für-Wort-Lesen anstelle des gehirngerechten Erfassens von Sinngruppen.

Eine beträchtliche Menge Zeit geht auch durch ineffektive Augenbewegungen verloren. So wird die natürliche Neigung des Auges, beim Lesen zu fixieren, (Augenstopp) zeitlich unnötigerweise weit ausgedehnt. Neben dem Fixieren springen die Augen aus reiner Gewohnheit regelmäßig zu bereits Gelesenem zurück, vieles wird so unnötigerweise doppelt gelesen. Aber auch die Regression, der Vorgang bereits Gelesenes nochmals zu überdenken, weil man befürchtet, etwas vergessen zu haben, ist sehr häufig.

Letztendlich ist auch der emotionale Aspekt des Leseprozesses nicht zu unterschätzen. Desinteresse, die Abneigung gegen ein bestimmtes Thema, dem konkreten Inhalt oder einem Autor kann unseren Lesewillen stark drosseln.

Ein besserer Leser werden

Die skandinavische Praxis kennt zwei Grundvoraussetzungen, die für die Entwicklung lern- und lesestarker Kinder unabdingbar sind. Die Nordmannen, die international in ihrer Lesefertigkeit nur von Ländern wie Korea und Japan übertroffen werden, sehen zum einen Vertrauen als Basis lebenslangen Lernens an. Zum anderen wird die Fertigkeit des korrekten Lesens als besondere Bildungsgrundlage verstanden und explizit angestrebt. Hier zeigt man sich wie erwähnt davon überzeugt, dass die Lesefertigkeit am stärksten durch den Konsum originalsprachlicher Fernsehprogramme mit Untertiteln gefördert wird. So lernen die Kinder bereits frühzeitig durch sehen von kindergerechten Programmen nicht nur besser zu lesen, sondern werden gleichzeitig auch überdurchschnittlich intensiv mit der Fremdsprache Englisch konfrontiert.

Das hier beschriebene Gesamtpaket lässt sich mit Fug und Recht als Nordic Reading bezeichnen. Im deutschsprachigen Raum hingegen ist man derzeit noch meilenweit davon entfernt, ähnliche Konzepte auch nur ansatzweise flächendeckend zu verwirklichen, womit sich auch das regelmäßig schlechte Abschneiden unserer Schüler bei Bildungstests wie dem PISA-Test plausibel erklären lässt.

In der außereuropäischen Praxis ist Indien mit einem ähnlichen Konzept seit Jahren äußerst erfolgreich damit, die Lesefertigkeiten seiner Einwohner nachhaltig zu verbessern. Fernsehsendungen weisen eigenlandessprachliche Untertitel auf, das Konzept nennt sich Same-Language-Subtitling, kurz SLS. In einem Land wie Indien mit einer Milliarde Einwohnern werden die Medien so zum Instrument der Massenedukation. Vier Jahre nach einführen von SLS durchgeführte Studien haben gezeigt, dass die Anzahl der Kinder, die nach fünf Jahren Pflichtschule nicht lesen konnten, im angegebenen Zeitraum nahezu halbiert wurde. Aber auch die Lesefähigkeit der Erwachsenen verbesserte sich, die Berufschancen stiegen. Heute lesen 25% – 30% mehr Inder Tageszeitungen.

Zusammenfassend zeigen diese Beispiele sehr schön auf wie ein Alltagsmedium als Bildungsinstrument zum gesellschaftlichen Wohl eingesetzt werden kann. Allerdings muss die einzelne Person bestimmte Voraussetzungen mitbringen, um von diesem medialen Angebot profitieren zu können. Neben einer hörsprachlichen Kompetenz in der dargebotenen Sprache werden zudem ein entsprechendes Spektrum an Allgemeinwissen sowie das Vorhandensein des Grundwortschatzes benötigt. Unterstützen Sie Ihre Kinder also dabei, sich fremdsprachliche Filme mit deutschen Untertiteln anzusehen (zwischendurch auch vice versa). Sie werden über deren verbesserten Lesefähigkeiten wirklich erstaunt sein!

Es ist die Idealvorstellung perfekten Schnelllesens, dass Lese- und Denkgeschwindigkeit zusammenfallen. Das ist prinzipiell vorstellbar, da das Auge Aussagen wie beispielsweise „ein kleiner grüner Apfel“ mit einem Blick aufnehmen kann. Hier zeigt sich das Dilemma des internen Mitlesens. Denn während das Auge diese vier Wörter in Sekundenbruchteilen auf einmal, also parallel, aufnehmen kann, können sie durch unsere laut oder leise eingesetzten Mundwerkzeuge nur seriell unter erhöhtem Zeitaufwand verarbeitet werden. Das macht den Hauptunterschied zwischen einem guten und einem schlechten Leser aus. Dem guten bis herausragenden Leser genügt der visuelle Reiz, um ein Textbild zu verarbeiten, während der schlechte Leser Informationen bruchstückhaft, seriell und mit geringerem Verständnis aufnimmt. Nehmen Sie sich also bewusst vor, ein besserer Leser zu werden!

Dafür muss wie erwähnt die Subvokalisation hauptrangig und mit viel Geduld abgebaut werden. Das Subvokalisieren ist auch deswegen sinnlos, weil in etwa 70% der Wörter eines Textes aus einem Wortpool von etwa 400 Wörtern besteht, der sich ständig wiederholt. Diese sind dem Leser in der Regel aber bestens bekannt und es ist für das Textverständnis nichts gewonnen, werden diese mitgesprochen. Demgegenüber steht jedoch ein realer eklatanter Zeitverlust. Ziehen wir als Beispiel die Konjunktion „und“ heran. In vielen Fällen könnte man an deren Stelle einen Beistrich setzen. Niemand käme beim Lesen aber auf die Idee, das, dieses Symbol bezeichnende Wort „Beistrich“ oder „Komma“ gesondert auszusprechen. Andererseits ist es für das Textverständnis sehr wohl wichtig zu realisieren, ob am Ende eines Satzes ein Frage- oder Ausrufezeichen gesetzt wurde. Durch deren Wahrnehmung lernen wir Wörter und Sinngruppen zu priorisieren, die für das Erfassen des Textkontextes wichtig sind. Das bewusste Aussprechen dieser Wörter, also die dosierte Subvokalisation, ist ein geeignetes Mittel, um einen Erinnerungseffekt zu erzielen. Der gute Leser kann so den Sinn auf thematischer Ebene besonders schnell erfassen.

So werden beispielsweise auch unbekannte Wortbedeutungen aus beigefügten Erläuterungen in Klammern schnell erfasst. Neue Bedeutung wird aus dem Kontext erlernt. Der gute Leser erkennt welche Textpassagen überflogen werden können, ohne dabei den Kontext und den Überblick zu verlieren.

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